Das habt ihr toll gemacht… – und so könnt ihr besser werden

Portrait-Ekvip-54-web

Elias ist seit knapp zehn Jahren dabei. Früher bei der OSB AG, heute bei ekvip. Er ist unser CTO, der Chief Technology Officer und teilt sich mit Tino Oelke die Teamleitung der Coding Ninjas. Von außen würde der eine oder die andere vielleicht behaupten, dass die Ninjas unsere Nerds sind – wie das von innen betrachtet aussieht, erzählt Elias hier. Und außerdem, woran er gute Führung festmacht und warum bei ihm andere Regeln gelten.

„Ich kümmere mich hier um die ganzen fachlichen und technischen Themen, die alle betreffen. Ich schaue, das Framework-Entwicklungen in die richtige Richtung laufen, definiere fachliche Ziele für die Teams und denk mir irgendwelche Sachen aus, die wir brauchen. Was die Softwareentwickler:innen bei uns fürs Arbeiten brauchen beispielsweise“, fasst Elias seine Aufgaben bei ekvip zusammen. Für die Führung des operativen Geschäfts ist sein Tandem-Partner Tino zuständig. Überall da, wo es strukturelle Leitplanken und inhaltliche Richtungen für die Coding Ninjas braucht, ist Elias in seinem Element: “Ich schreib ganz viele Regeln auf und habe den Styleguide, dem unser Team unterliegt, definiert.“

Qualität braucht einen Rahmen

Obwohl diese Regeln zahlreich sind, dient doch jede einzelne der reibungslosen Zusammenarbeit und hohen Qualität der Ergebnisse. Ob allgemeine Prozesse, wie Urlaubsplanung oder Überstundenabbau oder fachliche Anforderungen, wie einheitliche Notationen oder der genormte Weg zu einem Release: „Bis eine Software veröffentlicht wird, muss man bei uns einen kompletten Prozess durchlaufen, bis es tatsächlich zum Release kommt“, erklärt Elias. „Ein Schritt in diesem Prozess ist, dass man einen Code-Walkthrough macht. Wer was freigeben möchte, muss zu einem Meeting einladen. Da zeigt man dann das, was man gemacht hat und erklärt es. Die anderen sagen dann, ob es in Ordnung ist oder nicht und wo noch nachgebessert werden muss.“ Obwohl dieser Prozess die einzelnen Teammember und ihre Arbeit exponiert, kann genau dadurch Wertschätzung entstehen: „Ich glaube, dass diese Code-Walkthroughs gut sind, weil man ja in der Regel sehr stolz auf die eigene Arbeit ist. Wenn man da irgendwas Komplexes erarbeitet hat, zeigt man auch gern her, was man da Tolles geschafft hat.“ Andere Regeln dienen einfach dem Pragmatismus: „Homeoffice bedeutet, ihr sitzt ab acht Uhr morgens bis sechzehn Uhr nachmittags am Rechner und habt euer Telefon laut gestellt. Wenn man euch irgendwie erreichen will oder eine Frage hat, will ich, dass man diese sofort beantwortet kriegt“, beschreibt Elias eine Regel, die simpel erscheint, doch entscheidend ist: „Wenn irgendwo Stillstand an einer Anlage ist, wo eine:r unserer Softwareentwickler:innen dran war und der Kunde ist völlig panisch, möchte ich am Telefon sagen können: ‚Ja, lass mich das mal klären. Ich ruf innerhalb der nächsten halben Stunde zurück.‘ Und dann möchte ich das in dieser Zeit auch geregelt kriegen.“ Um das Team immer mit im Boot zu haben, durchläuft auch jede neue Regel einen standardisierten Prozess, bis sie gilt – mit Veto-Recht.

Offene Feedbackkultur

Woran Elias Führungsqualität festmacht, erklärt er an ekvip-Geschäftsführerin Katja Wachsmuth. „Ich finde, man kann das immer sehr gut daran festmachen, wie jemand in Stress- oder Drucksituationen reagiert. Daran, wie jemand mit diesen unangenehmen Umständen umgeht und wie diese Person dann auch mit den anderen Menschen umgeht“, beginnt er seine Argumentation. „Ich schätze an Katja sehr, dass man mit ihr die Sachen auch ausstreiten kann. Sie ist nicht konfliktscheu und nimmt scheiß Situationen sehr ernst!“ Neben Katjas Fähigkeit auf Herausforderungen zu reagieren, schätzt Elias ihre offene Feedbackbereitschaft: „Wenn ich etwas mache, womit Katja nicht zufrieden ist, dann erfahre ich das sehr direkt und klar und erfahre auch, was anders gemacht werden soll. Aber sie kommuniziert es in einer Art und Weise, dass niemand sein Gesicht verliert, aber gleichzeitig das Ergebnis stimmt.“ Und diese Art des Umgangs etabliert er auch im Team der Coding Ninjas. Klarheit durch Regeln und Feedback – doch immer mit einem Hinweis zum Wachstum: „Wenn ich immer nur lobe, ohne dass sich das irgendwo anders widerspiegelt, hilft es halt auch niemand. Ich bin einfach so, ich sage: ‚Das und das habt ihr toll gemacht. Aber da und da müsst ihr besser werden‘.“

Der Weg zu den Coding Ninjas

Was von außen wie Nerdtum aussieht, ist von innen ein hoher fachlicher Anspruch. Im Einstellungsverfahren wollen Tino und Elias darum das Programmierlevel der Bewerber:innen herausfinden. Im Rahmen des technischen Interviews findet ein Test statt: „Wir lassen sie Programmieraufgaben erledigen. Wir wollen einfach sehen, wie Bewerber:innen mit Problemen umgehen, wie groß ihr Abstraktionsvermögen ist und wie viele Fragen sie stellen, wenn sie was nicht verstehen, „ erzählt er. „Die Aufgaben sind meistens nicht einfach. Wer ganz viel Erfahrung hat, kriegt vielleicht auch mal eine richtig schwierige Aufgabe. Aber wir versuchen, nicht gemein zu sein, denn darum geht es nicht. Wir wollen ein Gefühl bekommen, wie die Leute arbeiten und wie sie denken.“ Dass neue Teammitglieder ab Tag eins im Projekt starten können, ist quasi unmöglich: „Wir sehen vorab vor allem die menschliche Komponente. Das Fachliche fehlt bei den meisten, weil die erfahrenen Leute alle aus der Automatisierungstechnik kommen und da war Software Engineering bis vor ein paar Jahren überhaupt gar kein Thema. Wir vertrauen auf unseren Eindruck und bilden sie dann hier aus.“ Einmal im Team angekommen, bauen die meisten viel Erfahrung und Wissen in kürzester Zeit auf. Aus dem Team hört man, dass man Elias Handschrift deutlich bei seinen Mentees herauslesen könne. Und er möchte ihnen nicht nur beim Lernen zur Seite stehen: „Sie haben halt alle eine sehr hohe Erwartungshaltung an sich selbst und auch an ihre Kolleg:innen. Ich verstehe, wie es ihnen auf den Baustellen geht – auch wenn sie mal in schwierigen Situationen sind. Ich war ja selbst zwanzig Jahre unterwegs. Aber ich vertraue ihnen und lasse ihnen Spielräume.“