Der heilige Gral – Die Inbetriebnahme

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Clemens kam im März 2018 als Werkstudent zur OSB AG. Aus dem Competence Center ekvip spaltete sich die eigenständige ekvip automation GmbH ab. Clemens blieb uns über die verschiedenen Wachstumsschritte erhalten – und wuchs selbst. Der einstige Werkstudent ist heute Teamlead der Beuteldachse. Hier erzählt er von seinem Weg bei ekvip und wie eigentlich eine Inbetriebnahme vor Ort abläuft.

Nach der Schule macht Clemens eine Ausbildung zum Elektronischen Betriebstechniker: „Auf Dauer war das normale Arbeiten als Elektriker langweilig“, erinnert er sich und beschließt in der Folge Automatisierungs- und Informationstechnik zu studieren. Damals ist Clemens Vater SPS-Programmierer bei der OSB AG. „Vor der Lehre wusste ich gar nicht, was er macht. Ich hatte damit nichts zu tun.“ Doch als Clemens ein Unternehmen für sein Praxissemester sucht, macht sein Vater ihn auf die OSB aufmerksam: „Und dann habe ich mich beworben. Da kam erst mal nichts. Ein halbes Jahr später rief Franzi dann aber an, dass sie doch eine:n Werkstudent:in suchen. Und dann bin ich da rein“, erzählt er von seinem ersten Kontakt mit unsere HR-Managerin Franziska Jäger. Nach dem Studium bleibt er als SPS-Programmierer direkt bei uns.

Eine große Chance

Nachdem Clemens in einem aufwendigen, langwierigen Projekt Durchhaltevermögen und Fachexpertise beweist, klingelt im Juni 2021 sein Telefon. Er befindet sich zu diesem Zeitpunkt in coronabedingter Kurzarbeit. „Katja rief an und sagte, ich solle mal ins Büro kommen“, erinnert er sich zurück. ekvip hat sich vor Kurzem von der OSB AG abgespalten und in Zuge dessen sollen nun neue Teams gegründet werden. Katja bietet Clemens die Teamleitung der Beuteldachse an – unseren Expert:innen der Siemens-Technologie: „Sie meinte: ‚So siehts aus – Kannst du dir das vorstellen? Hast du Lust?‘ Und ich sagte: ‚Ok, ich probiere es mal!‘“ Rückblickend bewertet Clemens diese Möglichkeit der Weiterentwicklung sehr positiv: „Es war eine gute Chance für mich. Es passiert nicht oft, dass man so schnell und relativ jung so eine Position angeboten bekommt. Ich bin dankbar für diese Chance!“ Dass er mit dem Team der Beuteldachse auf das Siemens-Universum fixiert ist, sieht er lässig: „Ich denke im Bereich Automotive ist es immer noch der größte Steuerungslieferant. Dadurch sind es zurzeit die größten Projekte, wo die meiste Zeit und die meisten Leuten drinstecken“, erklärt er. Gleichzeitig ist er sich darüber bewusst, was andere Programmiersprachen und -umgebungen zu bieten haben: „Die programmiertechnischen Möglichkeiten – da sind sich wohl auch alle einig – sind beispielsweise unter CODESYS interessanter. Also gerade für Leute, die Informatik studiert oder Hochsprache programmiert haben, ist Siemens wahrscheinlich weniger attraktiv.“

This is where the magic happens!

Im Tagesgeschäft gefällt Clemens besonders die Arbeit vor Ort an der Anlage: „Am meisten Spaß machen mir die Inbetriebnahmen. Es ist nicht die ganze Zeit das Gleiche. Klar, jede Inbetriebnahme verläuft nach dem gleichen Muster. Aber dadurch, dass der Prozess so lang ist, wird er abwechslungsreich.“ Auf den Baustellen arbeiten viele Menschen gleichzeitig daran, dass die Anlage möglichst bald den Betrieb aufnimmt – Elektriker:innen, Mechaniker:innen, Projekt- und Baustellenleiter:innen, Prozessingenieur:innen, Bediener:innen, die die Anlage schlussendlich betätigen sollen und hier und da Endkund:innen. Die ganze Komplexität einer Inbetriebnahme wird ins Clemens‘ Beschreibung deutlich: „Da kommt alles zusammen. Du fängst mit einer Hardware-Inbetriebnahme an: Da schraubste erstmal auf und guckst, was eventuell falsch verdrahtet oder verschlaucht ist. Das sagst du dann entweder den Elektroniker:innen oder den Mechaniker:innen. Wenn du keinen erreichst, machste das eine oder andere mal selbst. In einem gewissen Rahmen“, erklärt er. „Dann fängst du an, zu debuggen und guckst: Warum funktioniert das nicht, obwohl es funktionieren sollte? Oder: Warum funktioniert es nicht so, wie du es dir vorgestellt hast? Und dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo du anfängst zu optimieren.“ Er erzählt, dass die Anlagen unter gewissen Taktzeiten und Stückzahlen verkauft wird und man sich langsam an die Vorgaben herantaste, sobald erstmal alles läuft: „Und dann gehts in die Produktionsbegleitung. Idealerweise bist du nur da, um den Bediener:innen zu helfen, falls sie Fragen haben.“ Wie jeder komplexe Prozess, kann auch eine Inbetriebnahme einen schonmal an die Grenze der Geduld bringen – oder darüber hinaus: „Kommt vor, dass man mal eine Meise kriegt. Dann schnauzt man auch mal jemanden an. Der eine oder andere tritt auch mal einen Stuhl durch die Halle oder so.“ Und auch, wenn zwischendurch mal Frust rausgelassen werden muss – am Ende steht das alles entscheidende Ergebnis: Eine Anlage, die auf Knopfdruck (naja, oder HMI-Touch) produziert, was sie produzieren soll. Wie von Zauberhand. Ein Zauber, den unsere SPS-Programmierer:innen täglich ermöglichen.